Heilige Botenstoffe
Verehrung ist in erster Linie Kommunikation. Kommunikation heißt, daß sich Sender und Empfänger austauschen und gegenseitig wieder Empfänger und Sender werden-d.h. die Kommunikation beruht auf der gegenseitigen Wahrnehmung. Wie kann ich mit meiner Innenwelt kommunizieren, wie mit meiner Außenwelt? Für uns ist das wichtigste gewohnte Kommunikationsmittel die Sprache.
Um die Natur zu verehren muß man mit ihr kommunizieren; man muß sie verstehen lernen; ihre Sprache verstehen oder lesen können. Wir kommunizieren über die Botenstoffe. Das Kommunikationsmedium zwischen der Natur und unserem Bewußtsein sind die Neurotransmitter. Sie übermitteln nicht nur die Botschaften über die Nervenbahnen von unserem Körper zu unserem Gehirn und damit zu unserem Bewußtsein, sondern sie befinden sich auch überall in den uns umgebenden Wesenheiten.
Die Tiere verfügen über ein Nervensystem, in dem ähnliche oder sogar identische Neurotransmitter die Botschaften übermitteln. In allen Pflanzen finden sich Inhaltsstoffe, die mit den Botenstoffen unseres Nervensystems analog, identisch, chemisch und strukturel gleich sind. Somit wäre die Pflanzenwelt die Verlängerung unseres Nervesystems in die uns umgebende Natur.
Die Sprache der Natur teielt sich uns in der Form der Botenstoffe, der exogenen Neurotransmitter, mit. Die Neurotransmitter sind die Schnittstelle zwischen Materie und Bewußtsein, zwischen Geist und Natur.
Es wird viel über das Sprechen mit Bäumen oder Blumen geschrieben, was aber bedeutet das Reden mit der Natur? Ich verstehe darunter eine Kommunikation, bei der unsere eigene Innenwelt auf eine dramatische Weise erweitert und bereichert wird.
Die Schamanen und Heiler traditioneller Kulturen sagen immer wieder, daß sie mit Pflanzen und Tieren sprechen können. Dazu begeben sie sich in einen erweiterten Bewußtseinszustand. Dieser Zustand wird durch psychologische oder pharmakologische Techniken erzeugt. Die Indianer des Amazonasgebietes benutzen allerlei Pflanzen, die sie als "Lehrmeister" bezeichnen. Daraus werden heilige Trünke ( z.b. Yage, Ayahuasca) oder Schnupfpulver ( z.b. Epena, Yopo)
bereitet, die eine drastische Bewußtseinswandlung bewirken. In diesem veränderten oder erweiterten Zustand findet nun die Kommunikation zwischen Mensch und Pflanze oder zwischem Mensch und Tier statt.
Der Pflanzengeist spricht zu den Schamanen und Heilern, beantwortet ihre Fragen und offenbart ihnen Geheimnisse der inneren Wirklichkeit der äußerlich sichtbaren Welt. Die Pflanzengeister repräsentieren das Wissen des Waldes und können allerlei Auskünfte über Heilkräfte von Pflanzen, Tierprodukten und Mineralien verraten. Der Schamane kann den Pflanzengeist fragen.
" Wie heile ich meine Stammesschwester?"
Der Pflanzengeist weiß die Antwort und sagt sie dem Fragesteller. Der kann nun dieses Heilwissen, aus einem erweiterten Bewußtseinszustand gespeist bzw. durch direkte Kommunikation mit der Natur gewonnen, anwenden. Man bekommt also Botschaften aus seiner eigenen Innenwelt, durch eine heilige Pflanze vermittelt.
Wir verstehen die Natur am besten, wenn wir uns in einem erweiterten Bewußtsein befinden. Erweitertes Bewußtsein ist ein Bereich traditioneller Heiligkeit. Es ist nicht unser Körper, der von der Natur abgespalten ist; es ist unser rationales Bewußtsein, das sich selbst ausgegrenzt hat. Mit Hilfe der exogenen Neurotransmitter, die im Umgansdeutsch gerne " Drogen " genannt werden, können wir die Heiligkeit der Natur wiederfinden ( sie sind "ein Weg zum Geist von Gaia" sagt Terence Mckenna ).
Die Analogie der exogenen und endogenen Neurotransmitter zeigt uns, daß wir tatsächlich chemisch und geistig mit der Pflanzenwelt und den Tieren, ja soger den Mineralien ( auch Kalzium ist ein Botenstoff!! ) verwandt sind.
Wir können uns selbst als Drogenproduzenten, als Techniker unserer eigenen Bewußtseinszustände verstehen. ( Der Mensch ist eine hochkomplexe chemische Fabrik, in der ständig Drogen produziert werden, die vom Betäubungsmittelgesetz verboten sind. Also müßte genaugenommen, " nach dem Gesetz " , der Mensch an sich verboten sein !!) Drogen sind ein idiales Werkzeug - nur muß man es auch vernünftig gebrauchen können. Die traditionellen Heiler, die Schamanen, sind in diesem Sinne echte Bewußtseinskünstler. Sie haben Methoden entdeckt, mit denen die eigenen, die endogenen Botenstoffe aktiviert werden können ( z.b. durch Tanzen, Faste,Mantren,Medetationen); und sie haben die exogenen Botenstoffe der Pflanzen- und Tierwelt entdeckt, die wir weise und dadurch gewinnbringend nutzen können.
Die Natur, unsere Göttin Physis, stellt uns ihre Botenstoffe zur Verfügung, um mit allen Teilen des Kreises des Lebendigen kommunizieren zu können, um uns mit allem eins und verwandt zu fühlen.
Die wahre Heilkunst kommt aus der Verehrung der Natur.
" Pilze! Menschliche Pilze! Wir wissen, daß Psilocybin eng verwandt ist mit Serotonin.
Durch Serotonin werden dem Pilz die Gehirnfunktionen des geistigen Universums ermöglicht. "