DIE BOTSCHAFT DER PILZE



Terence Mckenna : DIE BOTSCHAFT DER PILZE
Wenn Du den Weg in die psychedelische Erfahrung finden willst, dann mußt Du das ”Loslassen” üben, das ”Ausliefern” an etwas, das dir kaum verständlich erscheint.
Das wichtige an der psychedelischen Erfahrung ist, daß sie durch und durch demokratisch ist. Du mußt nicht jahrelang den Boden eines Ashrams schrubben, bevor du an Dein Ziel kommst, sondern Du selbst gehst geradewegs ins Ziel. Du brauchst keine Ideologie, keine allgemein gültige Regel.
Es mag interessant sein zu Vorträgen zu gehen und Informationen zu sammeln, aber es macht einen großen Unterschied, ob man über Psychedelika spricht oder ob man sie nimmt. Es ist zweifellos in Ordnung von den Erfahrungen zu erzählen, aber die wahre Aufgabe aller psychedelischen AstronautInnen unter uns ist es, tiefer zu gehen und sich selbst zu ermächtigen!
Worum es hier auch in politischer Hinsicht geht, ist Ermächtigung durch direktes Erfahren. Ich erinnere mich an das Gedicht ”Ich will nicht Rekrut eurer Phantasien sein”. Genau das wird mit Psychedelika klar. Wir werden es nicht aus irgendwelchen Magazinen oder Büchern lernen. So funktioniert es nicht!
Deine direkte Erfahrung aus erster Hand, Deine Meinung, Deine Gefühle, Deine Sexualität, Deine Magie ist das einzig Wahre in Deinem Universum. Übertrage Deine Treue nicht auf Ideologien, Geld, Parties und FreundInnen, denn diese Dinge sind ausserhalb von Dir.
Eine Jahrhunderte lange Prägung hat dafür gesorgt, daß uns die Macht der direkten Erfahrung vorenthalten bleibt. Das ist der eigentliche Grund dafür, daß Psychedelika nicht erlaubt sind. Sie sorgen sich nicht darum, ob Menschen aus dem Fenster springen oder ähnliches. Nein, sie sind nicht interessiert an Gesundheit und Familie.

Das Ziel der Verbote liegt darin, zu verhindern, daß die Menschen ihren Spirit, ihr wahres Selbst wiederentdecken. Aber sie können uns nicht daran hindern, daß wir unser Wesen wiederfinden und uns vom Schrott der Geschichte befreien. Es ist das Potential weltweite Veränderungen herbeizuführen, denn ein ermächtigtes Individuum kann ein ganzes Reich zu Fall bringen.
John Crowley, ein amerikanischer Schriftsteller, sagte etwas wundervolles über Psychedelika: ”Je tiefer Du hineingehst, je größer wird es”. Und ich denke, wir müssen anfangen, dies zu verstehen. Wenn Du fünf Gramm trockene Psilocybin-Pilze einnimmst, dann wirst Du zum Hohepriester oder zur Hohepriesterin und gleitest durch fremde Welten. Während Deiner Reise siehst Du Dinge, die kein menschliches Auge jemals gesehen hat und wohlmöglich nie mehr sehen wird.
Das Universum ist so immens, so reich und schön. Wenn Du das verinnerlichst, dann ermöglichst Du Dir den Wandel zu einem besseren Wesen, einer größeren und feinfühligeren Persönlichkeit, denn Du trittst in Kontakt mit dem Kern Deiner wahren Natur. Mit dieser Erfahrung wirst Du zu einer politisch extrem gefährlichen Person. Und genau das ist mein Wunsch, daß wir eine Bedrohung für die bestehende Struktur werden, wo immer wir sie treffen.

Chaos ist das Schlagwort der Zeit. Chaos existiert überall, Chaos existiert in jeder Zelle. Wenn Du Angst vor dem Chaos hast, kannst Du nicht psychedelisch sein. Chaos ist die Ur-Mutter aller Formen und es war die Furcht vor Chaos, die diese festgefahrene, lineare, unmenschliche Gesellschaftsordnung formte, die wir überwinden wollen.
Mein Aufruf gilt einer Art Anarchie. Chaos ist der Ursprung von allem, was wir lieben, und es kann gar nicht genug davon geben! Sich der psychedelischen Erfahrung zu überlassen, heißt zu experimentieren, Chaos heraufzubeschwören, dran zu bleiben und die Hoffnung bewahren.
Die Zukunft ist eine Zukunft der Ultra-Technologie. Eine Dimension, die getrennt von dem, was als normale, natürliche Welt bezeichnet wird, existiert. Unsere mentale Fähigkeit, unsere Imagination ist so mächtig geworden, daß unsere einzige Möglichkeit der Weiterentwicklung darin zu liegen scheint, uns von der menschlichen Sichtweise zu lösen und in einen kulturellen Raum vorzudringen, der aus unseren Träumen und aus unseren Maschinen besteht.
Wir sind die Techno-Cyber-Gypsy-Generation - wir sind mehr, als nur eine politische Kraft. Wir haben die Macht, das Menschliche neu zu definieren, indem wir uns unser Bewußtsein zurückholen vom Reduktionismus, vom Materialismus, von der Wissenschaft und den ganzen intellektuellen Philosophien, welche die KünstlerInnen entmachtet und sie zu SklavInnen anderer Kräfte in der Gesellschaft geformt haben.
Der Vorwurf, daß sich die High-Tech-Gemeinschaft auf technische Mittel fixiert, ist ein Trugschluß. Vielmehr erleben wir momentan ein Revival alchimistischer Experimente! Wenn wir nämlich diese technischen Mittel zerlegen, stoßen wir auf die chemischen Stoffe, die die Grundsubstanzen der Erde bilden.
In der momentan stattfindenden elektronischen Revolution werden diese irdischen Stoffe so zusammengefügt, daß sie eine Art Intelligenz darstellen bzw. in ihrem Zusammenwirken eine Verbindung mit der irdischen Intelligenz eingehen, die es vorher noch nie gab.
Was die cyberdelische Gemeinschaft verspricht, ist die Realisation des alten alchimistischen Traums von der Verbindung zwischen Geist und Materie, eine Widerspiegelung der eigenen Seele, ein Umstülpen des Körpers von außen nach innen, um das wahre Selbst hervorzubringen. Wir leben in einer magischen Zeit.

Indem wir unsere Träume miteinander teilen, werden wir die Mauern und Grenzen zwischen uns auflösen. Wenn wir es schaffen, uns als biologische Gemeinschaft in einem technologischen Uterus zu betrachten, dann überwinden wir die kulturelle Krise.
Durch Psychedelika, die neuen Medien und einen verbreitenden Informationsfluß werden wir befähigt, uns selbst bzw. unseren und unser Kinder Planeten vor dem Ruin zu bewahren. Es liegt in den Händen der High-Tech-Gemeinschaften entsprechende Informationstechnologien zu entwickeln und sie einzusetzen. Wir haben die Mittel und die Macht, die Welt in jeder Hinsicht zu verändern. Zuvor muß aber unser Bewußtsein transformieren. Und das ist es, wofür wir alle die Verantwortung tragen.
Die Pilze flüsterten mir einmal zu: ”Du must einen Plan haben, denn wenn Du keinen Plan hast, wirst Du zum Teil des Planes eines anderen...”.
Auszüge aus einem Gespräch von Terence McKenna mit b-Eden.
